Gemeinsam in die Pedale treten

Auch 2018 schwingen wir uns wieder auf`s Rad

Nachdem wir im letzten Jahr so viel Spaß gemeinsam hatten, wollen wir das 2018 natürlich wiederholen! Ladet euch hier alle Infos zu Radtpur 2018 runter und meldet euch direkt an.

TVO-Radfreizeit 2018 Flyer.pdf
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TVO-Radfreizeit 2017: Südtiroler Tälertour (14.-20.09.2017)
Als „Lindwurm“ durch Südtirol

Eigentlich wäre mit ein paar Worten alles über die TVO Radfreizeit 2017 in Südtirol gesagt. Sie war erlebnisreich, entspannend und gesund zugleich, verlief unfall- und nahezu pannenfrei, war wetter- und radfahrtechnisch sehr abwechslungsreich, sie enthielt einen sehr großen Fun-Faktor und eine Fortsetzung im nächsten Jahr wäre herzlich willkommen. Damit wäre für den eiligen Leser alles Wichtige gesagt und wer sowieso lieber Bilder guckt, der kann die nachfolgenden Abschnitte gerne auslassen, zum FAZIT springen und sich danach gleich zum Blättern auf die „Bilderstrecke“ begeben (siehe unten). Wer mehr will ist eingeladen, in den nachfolgenden Absätzen nach Details über den Reiseverlauf zu stöbern und kleine Anekdoten zur Radfreizeit zu entdecken.

Abfahrt
Die beiden optionalen Trainingstouren (siehe Berichte „Stadt-Land-Fluss“ und „Grüngürtel Rundweg“) hatten uns als Gruppe schon sehr gut „verschweißt“. Mit freudiger Spannung und Frühstart um 06:30 Uhr gings nun endlich vom Betriebshof der Fa. Bender (Hessenaue), im voll besetzten Bus und mit 33 Rädern im Radanhänger nach Südtirol. Beim Check-In bescheinigte die Chefin von Bender Busreisen dem TVO noch kurz, dass sie noch nie so viel Arbeit mit der Organisation einer Gruppe hatte. Das war aber auch das einzig „Auffällige“, denn insgesamt kann man über Bender Busreisen nicht meckern. Die Fahrt war gut organisiert und verlief reibungslos (dafür ist Bender weit über die Grenzen der Hessenaue auch bekannt).

Anfahrt nach Südtirol
Zugegeben, das Wetter hätte am Anfahrtstag etwas weniger feucht sein dürfen. Aber so schlecht war’s dann doch nicht, denn immerhin gab es irgendwo auf der Strecke auch einen sonnigen Abschnitt (siehe Bilderstrecke). Der Stimmung im Bus tat das aber keinen Abbruch und die rumgereichten Süßigkeiten, wie Kekse und Gummibärchen, halfen beim Stimmungs- und Kalorienaufbau für die Radtouren kräftig mit. Eine völlig neue Genuss-Erfahrung waren Gerhards berauschende Schokoladenpilze mit Suchtfaktor aus der japanischen Überraschungskiste – eine besondere Geschmackskombination der Sorte „Schokolade an irgendwas“.
Von Seiten des Veranstalters wurden wir im Bus auch gut versorgt. Nicht nur mit Kaffee und Soft-Getränken. Wer wollte, durfte zu früher Stunde gerne schon mal in die Sekt- oder Doornkaat-Kiste greifen und einen Verbrauchsstrich auf seiner persönlichen Verzehrkarte machen.

 

Das Hotel
Nahezu pünktlich und staufrei landeten wir im Pustertal und die Radfahrgruppe nahm das Hotel Rastbichler in Beschlag. Uns wurden hauptsächlich die Zimmer mit Balkon zur Strasse zugeteilt, vermutlich, um den vorbeifahrenden LKW-Fahrern von unseren hübsch beblümten Balkonen freundlich zuwinken zu können (die haben nämlich gar keinen einfachen Job – so jeden Tag durchs Pustertal donnern zu müssen). Ansonsten bot uns das Hotel einen erfreulich gehobenen 3*-Standard mit sehr gutem Essen, Schwimmbad, Sauna, Wellness-Ecken, Feng-Shui, warmem Ingwer-Tee, Liegewiese und obligatorischer 21:00-Uhr-Zwangsumsiedelung vom Restaurant in die Gaststube, für lange lustige Abende. An diese Annehmlichkeiten hatten wir uns schnell gewöhnt, genauso wie an die geschlossenen Fenster für eine ruhigere Nacht.

Der letzte Mann
Bevor es für die Gruppe am Freitag auf die erste Rad-Etappe durchs Pustertal ging, musste noch der letzte Mann gefunden werden. Der hat die Aufgabe, immer als Letzter in der Gruppe zu fahren und dafür zu sorgen, dass bis zum nächsten Haltepunkt niemand verloren geht oder sich begeisterte Fremde unbemerkt anhängen. Eine ausgesprochen verantwortungsvolle Aufgabe, die sehr viel Erfahrung, Souveränität, Ruhe und Zurückhaltung braucht – Führungsqualitäten sind am Ende der Radfahrschlange nicht gefragt, hier werden starke Follower gebraucht. Hans-Georg, ein Mitfahrer aus dem nicht-TVO Teil der Reisegruppe, nahm sich dieser Aufgabe freiwillig an und wir tauften ihn sogleich mit dem passenden, würdevollen Titel „Hans Georg der Letzte.“

Blaue Trillerpfeifen
Für die TVO-Gruppe gab es auch noch eine Taufe. Astrid hatte, zuverlässig wie sie eben ist, die akustischen Notsignal Geräte mitgebracht – 18 Trillerpfeifen im TVO blau. Aus den Vorbereitungstouren hatten wir gelernt, dass Schreien alleine nicht immer hilft wenn man gestürzt ist und der Gruppe mit letzter Kraft ein STOOOOOPP!!! hinterher rufen muss. Ein schrilles Signal aus der Pfeife ist da viel wirksamer. Also wurden „die Instrumente“ entknotet und in der TVO-Gruppe verteilt. Die Gruppe „Blaue Trillerpfeifen“ war damit geboren und lebt heute als WhatsApp Gruppe.

Die Touren
Südtirol ist eine landschaftlich wunderschöne und abwechslungsreiche Alpen-Region, mit geschichtsträchtigen Städten, toller Luft und guten Radwegen und damit selbstredend für den Radfahr-Genuss. Wer’s noch nicht erlebt hat, sollte sich das einfach mal gönnen. Man muss schon aufpassen, dass man vor Begeisterung nicht zum Teil des Alpenglühens wird. Aber das eher durchwachsene Wetter hat uns geholfen, stets einen kühlen Kopf zu bewahren, in den sonnigen, kühlen und nassen Phasen der Tour.
Insofern muss man hier über unsere Touren durchs Pustertal, Ahrntal, Eisacktal und Etschtal nicht viel erzählen. Viel interessanter sind die kleinen Geschichten und Begebenheiten, die uns die Touren bescherten.

Der Lindwurm
Eine 33-köpfige Radgruppe im Bus ist ca. 15 Meter lang – das ist wenig. Auf einem Radweg wird daraus ein mindestens 200-500 Meter langer Lindwurm – das ist viel, sehr viel. Und dann liegt es in der Natur der Sache, dass sich der Lindwurm nur mit mehr oder weniger zurückhaltendem Tempo durch die Täler windet. Da tun einem auch mal die Leute leid, die den Fehler machen den Lindwurm passieren zu lassen. Denen geht es dann ähnlich wie dem Autofahrer am Zebrastreifen vor dem Höchster Bahnhof, wenn er einen Fußgänger mit großem Gefolge rüber lässt.
Anfänglich gestaltete sich der Lindwurm ziemlich instabil aber mit zunehmender Fahrpraxis wurde er mehr oder weniger zum festen bedrohlichen Verband, dem man sich besser nicht in den Weg stellt. Was der ambitionierte Radfahrer aber in jedem Fall vermeiden muss, ist hinten zu fahren, denn dort ist man buchstäblich fast am A…... Hinten werden die seltsamsten Fahrstile ausgelebt, von Intervall-Treten bis Bergauf-Bremsen wird ein unberechenbarer Stil-Mix geboten. Es wurde auch beobachtet, dass ein Radfahrer bei geringem Tempo absprang und sein Fahrrad zum Überholen schob. Also merke: Im Lindwurm hinten fahren ist doof – vorne geht‘s.

Wette auf Regenwetter
Barbara wollte unbedingt ihre neue, schicke Regenhose ausprobieren, die sie sich extra für die Tour zugelegt hatte und wettete hoffnungsvoll auf Regen. Falls es nicht regnen würde, wollte sie sich mit Ihrer Regenhose unter die Dusche stellen. Gerhard wettete dagegen und setzte „Duschen ohne Hose“ auf’s Spiel. „Lieber Gerhard, wir warten heute immer noch auf die Einlösung deines Wetteinsatzes – z.B. in der TVO-Halle?“.

Der Laienchor
Günter hatte sich in der Radverladung bereits als Qualitätsprüfer bewiesen. Und jetzt entpuppte er sich auch noch zum Quell lustiger und leicht erlernbarer Lieder, die er aus seinem Chor-Background mitbrachte – Lieder auf höchst interessantem intellektuellen Niveau. Im Keller-Kaffee in Bruneck klangen wir als Laienchor noch sehr verhalten und intonierten erste zaghafte, schüchterne Gesänge, wie:

„Solang der Bauch in die Weste passt, wird keine Arbeit angefasst.“
„Meine Herrn, meine Herrn, die Arbeit ist kein Frosch. Sie hüpft, sie hüpft uns nicht davon.“

Aber auf der Heimfahrt schmetterten wir bereits selbstsicher durch den Bus:
„Der Männerchor trinkt Bier vom Fass, der Männerchor trinkt Bier vom Fass!
Besoffen -  besoffen – besoffen ist der Mann vom Bass.“

Totalschaden
Apropos Günter. Er, bzw. seine unbändigen Kräfte, waren der Grund für die einzige wirkliche technische Panne mit happy end auf ca. 280 km Radwegen. Seine Kette riß nicht nur sich selber sondern auch noch den Kettenspanner ins Verderben – Totalschaden, 14 km vor Bozen. Glücklicherweise passierte das in der Nähe eines Gasthofs mit Bioland-Schild an der Tür und kleiner mobiler Radwerkstatt. Bernhard und Martin meldeten sich schnell freiwillig, mit Günter zusammen auf den Abschleppdienst zu warten. Eine kurzer Reparaturversuch des „erfahrenen Technikers“ musste aktiv eingebremst werden, um Schlimmeres zu verhindern und wenigstens den Restwert des Fahrrads zu retten. Glücklicherweise verstand die Wirtin ihr Gastronomie-Handwerk besser als ihr Mann das Fahrrad-Handwerk. Auf der sonnigen Terrasse, in fröhlicher Gesellschaft  mit Apfelstrudel, Kaffee und einem Glas Rotwein, verbrachte die kleine Gruppe eine ganz entspannte, kurzweilige Wartezeit bis der Abschleppbus kam.
Mit dem „Schrotthaufen“ weiterzufahren war also kein Thema aber glücklicherweise war der Urlaub für Günter damit nicht zu Ende. In der Hotelgarage fand er ein Leihrad. Und ohne den Kindersitz, erwies sich das Rad als „gar keine schlechte Wahl“. 

Auf Abwegen im Schneeregen
Irgendwann entwickelte sich die völlig absurde Idee, mal in das 2275m hoch gelegene Skigebiet  Kronplatz hochzufahren - mit der Gondel natürlich – und irgendwie, downhill wieder runter zu fahren (wo ein Wille ist, ist auch ein Radweg). Cordula, Gerhard, Jürgen und Martin packten eine günstige Gelegenheit beim Schopf und nahmen bei sonnigem Wetter den Aufstieg in Angriff. Die Gondeln sind darauf bestens vorbereitet, denn auf dem Kronplatz befindet sich ein MTB Fun-Park und der Radtransport ist Standard. Es gab auf dem Plateau u.a. YAKs, eine Friedensglocke und eines der sechs Mountain Museen von Rainhold Messner zu bestaunen. Und die Vier staunten während der  Brotzeit weiter, als eine Schlechtwetterfront schnell reingezogen kam und Schneeregen mitbrachte. Was tun? Mit der Warmduscher-Gondel wieder runter?? Never Ever!! Also rein in die Schlechtwetterklamotten und mit kleinem Tempo die 1200 Höhenmeter vorsichtig runterbremsen. Trotz widriger Verhältnisse war das ein riesen Spaß, der sich gelohnt hat – wer wagt gewinnt und passiert ist auch nix.

Frauenpower
Astrid und Barbara, als Köpfe einer weiteren renitente Gruppe, die sich dem Angebot des Scounts zu einem gemeinsamen Rückweg ins Hotel widersetzte, wollten eine Alternativroute zum „Pustertal-Highway“ anführen. Mit einigen Gefolgsleuten war die alternative Strecke dann auch schnell gefunden und befahren, zwar mit leichten Abzweig-Unsicherheiten im Gardener Tal, leichten Zweifeln, ob man trotz vielem hin und her immer noch auf dem richtigen Weg ist, einer korrekten Entscheidung zum steilen Anstieg in St. Lorenzen, einer runtergefallener Kette kurz vor dem Ziel und was sonst noch so alles passierte. Beschwerden über mangelnde Führungsqualitäten wurden nicht bekannt. 

FAZIT:
Im Rückblick auf die TVO Radfreizeit 2017 steht an erster Stelle die Freude über eine schöne, unterhaltsame, gemeinsame Zeit beim Radfahren und mit viel Freizeitspaß. Die TVO Radfreizeit fand erstmalig statt und wurde als Testballon gestartet um herauszufinden, ob das Konzept inhaltlich und organisatorisch passt. Im Großen und Ganzen ist das gelungen und das Konzept fand Zuspruch bei der „Testgruppe“. Aber es gab auch Optimierungsvorschläge. Hauptsächlich geht es dabei um die Gruppengröße (Stichwort: Lindwurm) und dem damit verbundenen eingeschränkten sportlichen Charakter und Individualismus. Die konstruktiven Anregungen sollen in eine neue Planung einbezogen werden, denn Ziel ist, auch 2018 wieder eine TVO Radfreizeit anzubieten. Klar ist, dass man nicht allen Ansprüchen gerecht werden kann und eine Vereinsveranstaltung auch irgendwo immer ein Kompromiss bleibt.

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© Julia Anthes